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Der Ashram als Energiefeld – Zentrum und Mantel

Der Tibeter (D.K.) hat in seinen Schriften – vor allem in Discipleship in the New Age und Externalisation of the Hierarchy – eine Reihe von Bestimmungen dessen hinterlassen, was ein Ashram seinem Wesen nach ist. Sie sind unterschiedlich akzentuiert, ergänzen sich aber zu einem Bild, das sich von der geläufigen, meist an Blavatsky orientierten Vorstellung eines Ashrams als bloßer Jüngergruppe deutlich unterscheidet.

Ein Ashram ist zunächst eine subjektive Verschmelzung von Seelen, nicht von Persönlichkeiten – zu Dienstzwecken zusammengeführte Einzelwesen, denen gemeinsam ist, was die Seele betrifft, nicht was die Persönlichkeit an Reaktionen, Begrenzungen oder eigennützigen Gedanken mit sich trägt. Letzteres dringt nach D.K.s eigener Formulierung niemals in den Ashram ein. Zugleich ist ein Ashram ein magnetischer Spannungspunkt, ein Kraftwirbel und Energiezentrum, in dem sich zwei Kräfte verbinden: der vereinte Drang der Gruppe zur Selbstaufopferung auf der Mentalebene und die magnetische Zugkraft des Meisters im Herzen der Gruppe. Er ist außerdem ein Gedankenreservoir, das aus der Vision und Aspiration des Meisters entsteht und durch den Beitrag der Jünger ständig genährt wird – eine dynamische geistige Gedankenform, kein bloßer Versammlungsort. Und er ist ein Zentrum von Gruppentätigkeit und Invokation, ausdrücklich auch ein wissenschaftliches Laboratorium, in dem Kräfte und ihre Wirkungen studiert und gehandhabt werden. Die gesamte Planetarische Hierarchie ist in dieser Lesart im Grunde ein einziger großer Ashram – der Ashram Sanat Kumaras –, gegliedert in sieben Haupt-Strahlenashrame und neunundvierzig sekundäre Ashrame, deren eigentliche Wirklichkeit auf den höheren Ebenen liegt, nicht auf der physischen.

Diese Bestimmungen bestätigen, was sich über Jahrzehnte der Beschäftigung eher als Bild denn als Lehrsatz eingeprägt hat: Ein Ashram ist ein Energiefeld, an das durch energetische Entsprechung angedockt werden kann – in Teilen, graduell, nicht als Alles-oder-Nichts. Das Zentrum dieses Feldes ist in sich energetisch stabil und wird von einem Es vertreten. Ein Meister ist dabei nicht mehr an zyklische Reinkarnation gebunden, sondern inkarniert nach selbst erkannter Notwendigkeit – und bleibt als dasselbe Wesen über entsprechend lange Zeiträume Zentrum seines Ashrams. Erst mit der sechsten Einweihung, beim Übertritt auf die höheren Pfade, übernimmt ein Nachfolger das Amt und mit ihm den hinterlassenen energetischen Mantel; erst dann ist der Wechsel der Funktionsstelle auf einen neuen Träger vollzogen, und erst dann ist es korrekt, von einem anderen Meister zu sprechen statt von D.K. selbst.

Im Charakter dieses Energiefeldes, das in sich fortlaufend entwickelnd ist, besteht die Verschränkung durch Anpassung. Das ist ein anderer Begriff von Verschränkung, als ihn die Quantenphysik kennt: Dort wird eine Korrelation bei der Entstehung eines Teilchenpaars fixiert und bleibt fest, unabhängig von späterer Einwirkung. Im Ashram-Feld dagegen ist das Andocken graduell und veränderlich – eine Resonanz-Verschränkung statt einer Erzeugungs-Verschränkung. Das Feld ist entsprechend von außen nach innen in zunehmender Intensität der Charakterschwingung geordnet: Wer stärker entspricht, ist dem stabilen Zentrum näher, nicht räumlich, sondern schwingungsmäßig. Das beantwortet zugleich eine Frage, die eine rein physikalische Verschränkungsanalogie offenlässt – warum es überhaupt Grade der Zugehörigkeit gibt und nicht nur ein Ja oder Nein der Verbindung.
Eine Spannung bleibt darin bewusst offen: Wenn das Zentrum energetisch stabil ist, das Feld als Ganzes aber sich fortlaufend entwickelt, wie verhalten sich beide zueinander? Entwickelt sich das Zentrum mit, sodass „stabil“ eher als kohärent trotz Wandel zu verstehen ist – oder ist es der unbewegte Bezugspunkt, an dem sich die Entwicklung der Peripherie überhaupt erst bemisst? Die Antwort dürfte vom jeweiligen Ashram und Entwicklungsstadium abhängen.

Hier hilft ein Begriff weiter, der in der Theosophie vom „Mantel“ eines Amtes spricht. Eines der drei großen Ämter ist das des Mahachohan; der Tibeter vermerkt, dass Meister Rakoczy – siebter Strahl, auch als St. Germain und als Rosenkreutz bekannt – diesen Mantel „angezogen“ hat. Als Bild dient der Königsmantel eines Herrschers: Der feinstoffliche, in Verantwortung „schwere“ Mantel verändert sich und wächst durch jeden Träger in der Zeit. Verlässt ein Amtsträger das Amt beziehungsweise den Ashram, rückt einer der dem Amtsträger Nahestehenden nach.

Der Mantel ist damit weder die Funktionsstelle selbst, die stabil bleibt, noch der jeweilige Träger, der wechselt, sondern eine dritte, überindividuelle Kontinuität – eine Akkumulation aus allen bisherigen Trägerschaften, die auf den nächsten Träger übergeht. Sein Wachsen ist dabei kein Wachsen im Sinne von Ausdehnung, sondern Zuwachs an Erfahrung und Wissen, das aus dem Anfangsimpuls gewonnen und dem Kern zurückgegeben wird. Damit löst sich eine scheinbare Spannung auf: Der Kern jedes Ashrams – und, fraktal wiederholt, jede Ashramgruppe innerhalb eines größeren Ashrams – ist die im Zentrum erkannte Notwendigkeit in der Zeit, und damit selbst fließend, nicht starr. Das Andocken an diese Notwendigkeit ist es, was „okkulter Gehorsam“ eigentlich meint – nicht Gehorsam gegenüber der Meisterperson, sondern gegenüber einer sich wandelnden, im Zentrum am klarsten erkannten Diagnose der Zeit. Das Zentrum ist Wahrnehmungsorgan dieser Notwendigkeit, nicht ihr Urheber.

Daraus folgt eine Unterscheidung, die im Stadium der Rückziehung eines Verselbständigten wie im Grundlagentext beschrieben, wichtig wird: Im aufsteigenden Zyklus der Evolution steht jede Aktivität, die auf Ausdehnung und Erhalt der eigenen Position gerichtet ist, gegen die Notwendigkeit – auch wenn sie sehr menschlich ist. Das ist kein Widerspruch zum Wachsen des Mantels, sondern zeigt, dass „Notwendigkeit“ phasenspezifisch gilt: Was für den Mantel gilt – Wachstum durch aufeinanderfolgende Träger –, gilt nicht für den einzelnen Träger in seiner eigenen Phase. Der Mantel wächst durch Ablösung, nicht durch Festhalten. Das was wir im „Mantel“ beschreiben, ist die Essenz der Evolution eines planetarischen, solaren, kosmischen Logos.