Der individuelle Übergang
Der Übergang von Seelen in eine feinstofflichere Existenz für einen erstmaligen, bleibenden Aufenthalt war schon immer ein individueller, einsamer Weg.
Jahrhundertelang blieb er der Masse der Menschen verborgen. Dies hatte keinen selbstherrlichen Grund auf Seiten der fortgeschrittenen Schwestern und Brüder, sondern beruhte auf der Sorge, dass ein unvorbereitetes Wissen Verwirrung stiften könnte. Sowohl im Westen als auch im Osten waren viele Wahrheiten über das Leben und die Existenz jenseits der Grenze verborgen geblieben. Es mag überraschen, dass dies auch für den Osten gelten soll, doch die dort dargestellte Götterwelt war ebenfalls nur ein Pseudobild der realen Existenz im Feinstofflichen.
Der individuelle Weg, auch in kleinen Gruppen, ist seit Langem unverändert. Allerdings haben sich die an den Einzelnen gerichteten Forderungen verschoben. Das Ende des Guru-Prinzips ist die Antwort auf die Sinnlosigkeit der Ein-Gott-Theorie, also des Monotheismus. Wer die Brücke „im Blick“ hat, wird von einem Mitglied des Ashrams der entsprechenden Ebene gemäß seiner energetischen Ausrichtung innerlich begleitet und unterstützt, über mehrere Leben hinweg. Der freie Wille wird dabei nicht beeinträchtigt. Unbedingt notwendig sind eine breite Bildung und ein lebendiges Wissen, das die geistige Wissenschaft gleichberechtigt neben die anerkannten Wissenschaften [nicht nur Natur-, sondern auch Geisteswissenschaften, Mathematik, Psychologie, Wirtschaftswissenschaft etc.] stellt.
Erst wenn diese Entwicklung vollständig abgeschlossen ist und der Weg bis an den Abgrund reicht, wird der Meister des empfangenden Ashrams seine Hand ausstrecken. Der letzte Sprung muss dann vom selbstbewussten Individuum kommen , wie das genau geschieht, bleibt ein Geheimnis. Gelingt er, wird vor dem Meister jemand stehen, der (oder die) keinen blinden Gehorsam benötigt, denn die Einsicht in die hierarchischen Notwendigkeiten wurde auf dem Weg vollständig entwickelt. Es wird sofort mit arbeitender, forschender und der großen Entwicklung des Planeten dienender Tätigkeit begonnen. Der mit mehr Erfahrung und Wissen ausgestattete Meister erhält selbstverständlich Respekt und Zustimmung für seine Richtungskompetenz. Wechselt die Leitung des Ashrams im Sinne des Vorrückens und Weiterwanderns, bleibt die beschriebene Grundhaltung für das Amt bestehen. Sie entsteht aus erkannter Notwendigkeit; sowohl Eigensinn als auch ein Übermaß an Devotion wären schädlich.
Betrachtet man diese Grundsätze, die aus dem im Grundlagentext beschriebenen Prozess entstanden sind, dann kann man erkennen, wie weit die verbreiteten Illusionen über die geistige Hierarchie von den tatsächlichen Notwendigkeiten entfernt sind. Das betrifft den Westen wie den Osten, aktuell besonders auch den vermeintlichen Norden.
Fortgeschrittene, die eine reale höhere Existenz führen, können aus ihrer Position heraus und unter Berücksichtigung ihrer Möglichkeiten einzelne Individuen erkennen, die für Anregungen, Hinweise und Kontakte einen ausreichenden Stand erreicht haben. Sie blicken in die astralen und mentalen Konfigurationen hinein und ziehen daraus einen Status, der ein vorsichtiges Heranführen an die Brücke des Übergangs ermöglicht.
All das bisher Gesagte hat keine Beziehung zum üblichen Nachtodlichen, das jedem Sterblichen bevorsteht. Die nachtodlichen Prozesse sind kein automatischer Weg zur feinstofflichen Brücke in die reale andere Existenz.
In den Lehren des Ostens und des Westens, deren Kern ein gemeinsamer ist, konnten in jedem Jahrhundert einige Strebende und Vorbereitete diesen Weg gehen. Sie wurden so Teil der Zentren verschiedener energetischer Schwerpunkte, über die in den Texten bereits ausführlich gesprochen wurde. Wir haben die verschiedenen Existenzen auf den höheren Ebenen bildhaft als Inseln in Ozeanen beschrieben und Hinweise gegeben, die ein anfängliches Verständnis ermöglichen.
Seit H. P. Blavatsky, R. Steiner und der Meister D. K. den Westen informiert haben, wurden der Menschheit die notwendigen Hinweise gegeben und sind somit für jeden zu finden, der danach sucht.
Es ist jedoch ein Irrtum, dass sich die Vorstellung breitgemacht hat, der Weg könne in kurzer, schneller Form gefunden und gegangen werden. Dem ist nicht so. Die Ansprüche wurden in jedem Jahrhundert erhöht, doch die notwendige Zeit für die Wissensansammlung und ethische Einübung ist vergleichbar geblieben. Eine Abkürzung im zeitlichen Zusammenhang ist eine Illusion.
Die Menschheit als Ganzes – Retardierung und forcierte Rückkehr
Das Bemühen der geistigen Hierarchien für die Menschheit als Ganzes besteht darin, das ethische Niveau anzuheben. Früher waren es häufig regionale Impulse, heute ist es die gesamte Menschheit. Allerdings ist damit nicht der Übergang der Massen in höhere Existenzen gemeint.
Der Weg der Massen, in Ausgestaltung von Nationen und Kulturen, ist der allgemeine Weg. Gegenüber den bereits erreichten kulturellen und ethischen Fortschritten der letzten 60 Jahre befindet sich diese Entwicklung aktuell in einer retardierenden Rückwärtsbewegung hin zu chaotischen Zuständen. Die aktiven Kämpfer für eine Trendwende hin zum guten Willen qualifizieren sich dabei für individuelle Schritte auf dem Weg zur Brücke. Wenn sich innerhalb dieses Prozesses Einzelne oder kleine Gruppen auf den Weg machen und an ihren Voraussetzungen arbeiten, ist das willkommen. Der Fortschritt des Einzelnen bleibt ein individueller Weg, der sich fördern lässt, wenn intensiv an der Anhebung des ethischen Niveaus der Massen mitgearbeitet wird.
Der im Grundlagentext beschriebene Prozess befindet sich im Stadium der forcierten Rückkehr. Die Hierarchien befinden sich seit langem – seit der Zeit nach Atlantis – auf verschiedenen Ebenen der kosmisch-physischen Ebene: die Atmische mit Shamballa und den Ashrams des ersten Strahls, die Buddhische mit den Ashrams des zweiten Strahls und die höhere Mentalebene mit den Ashrams der Aspektstrahlen 3 bis 7.
Während des Zweiten Weltkriegs mussten aufgrund der Angriffe der Widersacher-Kräfte auch auf den niederen Ebenen der feinstofflichen Welten die Ashrams von der höheren Mentalebene zur Buddhischen Ebene verlagert werden. Dies hat zu Trennungskomplikationen geführt, die bis heute andauern. Die von R. Steiner angekündigten anthroposophischen Impulse für die heutige Zeit sind deshalb nur sehr schwach erkennbar, da sich die damit verbundenen Ashrams auf der höheren Mentalebene befanden.
Die von Helena Roerich in den Briefen beschriebene mögliche Dreiteilung der Menschheit im Falle großer Naturkatastrophen ist Ausdruck des bestehenden Plans der geistigen Hierarchien. Der Rückholprozess des „ES”, der in Etappen und auch mit Fehlversuchen stattfindet, erfolgt auf diesem Weg entweder durch die Anhebung des ethischen Niveaus der Massen oder durch den vollständigen individuellen Übergang, der entweder neben dem Individuellen durch harte Eingriffe erfolgt oder in bescheidenen, vollständigen individuellen Übergängen.
Die drei Wege lassen sich wie folgt beschreiben:
Die mittlere Gruppe setzt ihren Weg in einem weniger chaotischen Umfeld eines feinstofflicheren Planeten fort und entwickelt Kulturen, die der ethischen Vorgabe der Höchsten entsprechen. Alle extremistischen Ideologien und Religionen, ganz gleich welcher Koloratur, sind für diesen mittleren Weg ungeeignet. Ein physischer Körper in der aktuellen Konfiguration besteht dort nicht mehr fort. Gewohnheiten, die das Physische überbetonen, sind als Hinderungsgrund für den Übergang mit der mittleren Gruppe in eine feinstofflichere Existenz zu benennen.
Die Widersacher-Kräfte in Form ihrer Schergen in Wirtschaft, Religion und Politik sind extrem aktiv, um die ihnen zugehörige Masse so groß wie möglich werden zu lassen, denn sie betrachten sie als ihre Sklaven. Mit ihnen zusammen werden diese beharrenden, ewig der Form anhaftenden Kräfte zu jenem Planeten katapultiert (Weg 3), der ihnen (in seiner untersinnlichen, nicht sichtbaren, saturnischen Ausdrucksform) einen Fortbestand zu versprechen scheint. Allerdings wird sich der Reinigungsprozess dort verschärft fortsetzen und eine ruhige Phase ist nicht zu erwarten. Wenn Mahatma Morya von kosmischem Müll sprach, dann meinte er jenen Teil, der nach der dortigen Reinigung als unverwertbarer Rest ausgeschieden wird – nicht die gesamte Masse, die dorthin geworfen wird. Der dort stattfindende evolutionäre Vorgang ist lang und schmerzhaft.
Für eine überschaubare Anzahl von Individuen geht ein weiterer Weg zu anderen planetarischen Existenzen. Diese Wahl hat mit den energetischen Grundlagen der Übereinstimmung zu tun. Sie haben sich diesen Weg erarbeitet, indem sie das Wohl der Gesamtheit nie aus den Augen verloren haben.




